Die New York Times will gegen das KI-Unternehmen Perplexity vor Gericht ziehen. In die von Perplexity erzeugten Texte würden Informationen der New York Times einfliessen, teils würden ganze Artikel übernommen. EPA/JUSTIN LANE

Früher vermittelten Suchmaschinen zwischen Nutzer:innen und unterschiedlichen Informationsquellen. Mit der Möglichkeit, KI direkt Fragen zu stellen, werden Suchplattformen zunehmend selbst zu aktiven Informationsanbietern. Neben Google wird auch ChatGPT von OpenAI immer häufiger als Suchmaschine genutzt. Laut dem Digimonitor der Interessensgemeinschaft Elektronischer Medien Schweiz (IGEM) geben 60 % der Bevölkerung an, KI zumindest gelegentlich zu verwenden – am häufigsten zum Schreiben von Texten, für Übersetzungen und für Suchanfragen. Google bietet nun ebenfalls einen KI-Chatbot, der die wichtigsten Informationen in Kürze zusammenfasst und oberhalb aller Links anzeigt.

Dieser Wandel wurde von Dirk Lewandowski, Professor für Information Research & Information Retrieval an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, in einem Gutachten für die deutschen Landesmedienanstalten untersucht. Ziel war es zu klären, welche Auswirkungen die Integration von KI in Suchmaschinen auf die Meinungsvielfalt hat.

Traffic geht verloren

«The best place to hide a dead body is page 2 of Google search results.» Dieses ironische Motto begleitete Website-Betreiber:innen über Jahre. Mit Suchmaschinenoptimierung versuchten Unternehmen, möglichst weit oben zu erscheinen. Dieses Prinzip verschiebt sich jedoch, wenn KI die Antworten direkt ausgibt. Während Google bei seinen KI-Antworten noch Quellen verlinkt, ist das bei ChatGPT oft nicht der Fall. Wer Quellen sehen möchte, muss ausdrücklich danach fragen. Genau das führt laut Lewandowski zu erheblichen Verlusten beim Website-Traffic. Konkret stellte er Einbrüche zwischen 18 und 50 % fest.

Das betrifft vor allem Medienunternehmen. Viele von ihnen sind auf Klickzahlen angewiesen, um Inhalte über Online-Abonnements zu refinanzieren. Wenn diese Sichtbarkeit künftig sinkt, könnten auch fundierte journalistische Angebote seltener werden – was wiederum die Informationsbasis beeinflusst, auf der KI ihre Zusammenfassungen erstellt.

Ob KI-Antworten am Ende zu mehr oder weniger Sichtbarkeit unterschiedlicher Meinungen führen, ist laut Lewandowski noch offen. Diese Frage wurde im Gutachten nicht empirisch untersucht. Er formuliert allerdings einige Annahmen: Möglich sei etwa, dass KI-Antworten ein breiteres Meinungsspektrum abdecken als die Ergebnisse der klassischen Suchmaschine, die oft nur die Top-Links hervorhebt.

Im Zentrum steht letztlich die Frage, welche Bedeutung Nutzer:innen den Quellen hinter den KI-Antworten beimessen. Benötigen sie diese überhaupt? Wann lohnt es sich, auf weiterführende Links zu klicken? Und wem schreiben sie die Inhalte zu – dem Suchsystem oder den ursprünglichen Quellen?

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