Es ist mit uns Nutzenden von Social Media ganz ähnlich wie im Tierleben: Wir wollen grasen, die Plattform-Betreiber sollen uns beschützen. Tun sie nur leider nicht… – ganz im Gegensatz zu Mick, aufgenommen in Landquart bei einer Hirtenausbildung.(KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Medienmitteilung / AXA, 20.4.2026 – Die Schweizer Bevölkerung ist sich bewusst, dass künstliche Intelligenz bei Cyberbetrugsfällen ein zusätzliches Risiko darstellt, dies zeigt der diesjährige AXA Cybersorgenmonitor. Die in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo zum zweiten Mal durchgeführte Studie liefert ein umfassendes Bild davon, was die Bevölkerung im Umgang mit digitalen Medien beschäftigt. Demnach rechnet eine deutliche Mehrheit damit, dass KI-gestützte Betrugsmaschen künftig häufiger und schädlicher sein werden: 87 Prozent erwarten eine Zunahme der Cyberbetrugsfälle, 77 Prozent gehen von einem höheren finanziellen Schaden pro Fall aus.

Die Glaubwürdigkeit von Informationen wird denn auch von 61 Prozent der Befragten als grosse Herausforderung, welche KI-Inhalte mit sich bringen, angesehen (5 auf einer Skala von 1 bis 5). Aber auch die Transparenz und Verantwortung für die Erstellung von Medieninhalten (51 %), die politische Meinungsbildung (51 %) und der Datenschutz (48 %) stellen laut der Bevölkerung grosse Herausforderungen dar. «Im Internet gibt es keine Hemmschwelle mehr bei der Verbreitung von Fälschungen», sagt Katrin Sprenger, Verantwortliche der AXA Cyber-Präventionsservices. «Ob für Klicks, für Cyberbetrug oder zur gezielten Manipulation von Meinungen: Alle können heute mithilfe von KI realistische Imitate produzieren und weitestgehend unkontrolliert veröffentlichen.» Ein beträchtlicher Anteil sagt über sich denn auch, Mühe bei der Erkennung von KI-Texten (65 %), KI-Bildern (53 %) und KI-Audioinhalten (49 %) zu haben. «Die Technologien werden laufend besser. Zu lernen, KI-generierte Inhalte zu erkennen, kann deshalb nicht das Ziel sein», so Sprenger. «Wir sollten digitale Inhalte grundsätzlich auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen, bevor wir ihnen Vertrauen schenken.» 

Big Tech in der Pflicht

Die Studie der AXA zeigt weiter, dass eine überzeugende Mehrheit von 94 Prozent der Meinung ist, dass digitale Plattformen KI-generierte Inhalte immer explizit als solche markieren müssen. Die Befragten sehen die Betreiber generell in der Pflicht: 70 Prozent finden, Google, Meta und Co. sollten hauptsächlich für den sicheren Gebrauch von KI-generierten Inhalten auf digitalen Plattformen verantwortlich sein. «Digitale Regulierungsmassnahmen werden also klar befürwortet, aus Sicht der Bevölkerung liegt jedoch die Umsetzung dieser Massnahmen nicht allein beim Staat, sondern die grossen Unternehmen stehen in der Pflicht, einen sicheren Gebrauch ihrer Plattformen zu gewährleisten», sagt Michael Hermann, Leiter von Sotomo. «Von der Vorstellung des eigenverantwortlichen Umgangs mit digitalen Plattformen ist man abgerückt.» 

Den täuschend echt wirkenden KI-Inhalten stehen Bilder und Videos gegenüber, die offensichtlich durch KI generiert wurden, sogenannter AI-Slop. Dieser kommt bei der Schweizer Bevölkerung nicht gut an: 60 Prozent finden ihn nicht unterhaltsam. Nur ein Viertel ist der Meinung, dass KI-generierte Inhalte im Generellen Social Media attraktiver gemacht haben. Trotzdem verbringen Herr und Frau Schweizer viel Zeit am Bildschirm – mehr als ihnen lieb ist. Gut die Hälfte der Befragten gibt an, gerne weniger Zeit an ihren privaten digitalen Geräten verbringen zu wollen, bei den Erwachsenen unter 36 Jahren sind es gar zwei Drittel. Über alle Altersgruppen gesehen sind 43 Prozent zufrieden mit ihrer privaten Bildschirmzeit, nur 5 Prozent würden sie gerne erhöhen. Zudem sagen über zwei Drittel der Bevölkerung von sich, ihr privates Handy häufig ohne einen konkreten Anlass oder ein bestimmtes Ziel zu nutzen, sondern lediglich zum Zeitvertreib oder aus Gewohnheit. Bei den jungen Erwachsenen machen dies gar 84 Prozent häufig.

Lieber soziale als algorithmische Medien

«Viele digitale Plattformen sind bewusst so gestaltet, dass sie unsere Aufmerksamkeit möglichst lange fesseln», sagt Katrin Sprenger von der AXA. «Ein Beispiel dafür sind personalisierte Algorithmen, die unser Nutzungsverhalten analysieren und Inhalte ausspielen, die unseren Interessen entsprechen.» Dieses Vorgehen behagt der Bevölkerung allerdings nicht: 69 Prozent finden es schlecht, dass Medieninhalte auf Basis des Nutzungsverhaltens personalisiert werden. Insbesondere über 55-Jährige (80 %) bewerten dies als negativ. Michael Hermann nimmt auch bei politischen Parteien eine stärkere Positionierung diesbezüglich wahr: «Die Debatte um die Regulierung digitaler Plattformen hat sich ausgeweitet: Nicht mehr nur die dort verbreiteten Inhalte stehen im Fokus, sondern zunehmend auch das Design und die algorithmischen Mechanismen. Diese Verschiebung ist auch in der Schweizer Politik spürbar: Verschiedene Parteien haben bereits Massnahmen gefordert, die auf die Funktionsweise dieser Plattformen abzielen.»

Drückt auf Stimmung

Nach selbstgewählten Aktivitäten in der Freizeit sollte man sich gut fühlen – so die Erwartung. Die Social-Media-Nutzung löst jedoch oftmals auch negative Gefühle aus, wie der AXA Cybersorgenmonitor weiter zeigt. Die Hälfte der Nutzenden fühlt sich nach dem Konsum von Social Media gleich häufig schlecht wie gut. Ein Drittel fühlt sich häufiger gut, ein Fünftel häufiger schlecht. Etwas anders sieht die Situation nach dem Streaming von Audioinhalten wie Musik oder Podcasts aus. Vier von fünf geben an, dass sie sich danach häufiger gut als schlecht fühlen. Nach digitaler Kommunikation, Video-Streaming, Online-Shopping oder Gaming fühlt sich immerhin jeweils gut die Hälfte häufig oder fast immer gut.

Der AXA Cybersorgenmonitor 2026 entstand in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo. Die repräsentative Umfrage mit 1490 Teilnehmenden wurden zwischen dem 16. Februar und dem 1. März 2026 durchgeführt. Die Grundgesamtheit der Befragung bildet die sprachintegrierte Wohnbevölkerung aus der Deutschschweiz und der französischsprachigen Schweiz ab 18 Jahren.

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