Joe Rogan zählt zu den einflussreichsten Podcastern der Welt. Er steht exemplarisch für den Aufstieg von News-Influencer:innen, die vor allem bei jungen Menschen ein grosses Publikum erreichen und zunehmend mit klassischen Medien um Aufmerksamkeit konkurrieren. In der Schweiz ist dieses Creator-Ökosystem bislang deutlich weniger ausgeprägt. (KEYSTONE / EPA / JIM LO SCALZO / POOL)

Seit 2015 untersucht das Reuters Institute der University of Oxford den Medienwandel weltweit. Das Forschungszentrum für Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich veröffentlicht basierend auf der weltweiten Studie den Länderbericht mit einem Fokus auf die Schweiz. 2000 Deutsch- und Westschweizer:innen werden für den Bericht jeweils befragt. Weltweit sind es 100’000 Proband:innen aus 48 Ländern.

Im Vergleich sieht man: In der Schweiz kann man ähnliche Tendenzen beobachten wie weltweit, allerdings in abgeschwächter Form.

Die Nutzung von Kanälen wie Fernsehen oder News-Websites sinkt weltweit. 54% der Befragten geben an, ihre News über Plattformen – also Social Media, Video-Netzwerke oder KI-Chatbots – zu beziehen. Diese Entwicklung kann in 30 von 48 Ländern beobachtet werden. Die Schweiz zeigt hier andere Ergebnisse: Viele Nachrichten-Nutzer:innen informieren sich zwar online, aber Newsseiten stehen in der Befragung mit 37% noch deutlich vor Social Media mit 18% oder KI-Chatbots mit 2%. Die Hauptinformationsquelle ist für 40% der Befragten nach wie vor traditionelle Kanäle wie TV, Radio und Print.

KI-Chatbots als News-Quelle

Eine kleine Gruppe in der Schweiz nutzt KI-Tools, um sich mit News zu versorgen. Bei den 10% die eine solche Nutzung angeben, könne es sich auch um «Early Adopters» handeln, deren Nutzungsverhalten nicht repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung sei, schreibt das fög in den Studienergebnissen.

Es sind vor allem jüngere Menschen, die KI als Informationsquelle nutzen. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass diese Gruppe KI eher als Ergänzung zu ihrem bisherigen Medienmix verwendet. Das generelle Interesse an Nachrichten sinkt jedoch weiter. Auch die Vermeidung von Nachrichten, sogenannte News-Avoidance, nimmt weiter zu.

Linard Udris, Medienwissenschaftler und Mitautor des Länderberichts Schweiz, betont gegenüber Persönlich.com in einem Interview trotzdem: «Sobald sich KI-Technologien in der Gesellschaft breiter durchsetzen, werden auch weniger News-affine Menschen Chatbots einsetzen. Die werden Chatbots dann aber eher als Ersatz für News-Kanäle benutzen, ähnlich, wie wir es bei der recht grossen Gruppe von Menschen sehen, die sich vor allem mit Social Media zufriedengeben.»

News-Influencer:innen als Quelle

Menschen zwischen 18 und 24 informieren sich hauptsächlich über Online-Kanäle. Social Media liegt hier mit 42% vor News-Websites in dieser Altersgruppe. Die Plattformisierung bedeutet nicht nur, dass Nachrichten über Instagram oder TikTok konsumiert werden. Sie bedeutet auch, dass Journalist:innen und Medienmarken zunehmend mit Influencer:innen um Aufmerksamkeit konkurrieren. Dies ist eine weltweite Entwicklung. Im Durchschnitt der 48 befragten Länder, gibt knapp die Hälfte an, Informationen über Influencer:innen zu beziehen.

In der Schweiz ist dieses Phänomen noch ein bisschen weniger ausgeprägt. 19% geben an, News über Influencer:innen zu konsumieren. Das «Creator-Ökosystem» ist weniger ausgeprägt in der Schweiz, es gibt also fast keine Schweizer News-Influencer:innen. Die Untersuchung zeigt auch: Oftmals werden auch Medienmarken, beziehungsweise die Leute von diesen Kanälen für News-Influencer:innen gehalten.

Bezahlung für Online-Journalismus

Der News-Konsum verschiebt sich schon seit Jahren in die Online-Welt. Die Zahlungsbereitschaft für Online-News hingegen, stagnierte die letzten Jahre und verzeichnete 2025 einen leichten Anstieg. In diesem Jahr zeigt der Länderbericht allerdings wieder einen leichten Rückgang der Zahlungsbereitschaft. Gerade mal 19% der Befragten geben an, im vergangenen Jahr für Online-News bezahlt zu haben.

Die Gründe, um zu bezahlen für Online-News sind verschieden:

Quelle: Reuters Institute Digital News Report 2026, Länderbericht Schweiz, fög – Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich

Medienvertrauen und Ausblick

Das Medienvertrauen weltweit ist auf einem Tiefstand. Die Schweiz kommt noch etwas besser weg im Ländervergleich. 42% der Befragten gibt an, den Medien meist zu vertrauen. Das Vertrauen in den Journalismus ist ein prägender Faktor dafür, dass Medien ihre Rolle als vierte Gewalt in einer Gesellschaft ausüben können.  Einen Einfluss auf das Medienvertrauen scheinen auch die Berichterstattung über «grosse» Themen wie Migration, Krieg in der Ukraine, Donald Trump und der Nahost-Konflikt zu haben.

Auch wenn die Schweiz bei Vertrauen und Zahlungsbereitschaft für Nachrichten noch etwas besser dasteht als viele andere Länder, zeigen die Daten dieselbe Richtung wie im internationalen Vergleich: Soziale Netzwerke gewinnen an Bedeutung, KI wird zunehmend als Zugang zu Informationen genutzt und das Interesse an Nachrichten nimmt langfristig ab. Für Medienhäuser bedeutet das eine doppelte Herausforderung. Sie müssen ihr Publikum dort erreichen, wo es sich informiert – auf Plattformen und zunehmend auch über KI-Anwendungen – und gleichzeitig das Vertrauen in journalistische Inhalte erhalten. Der Digital News Report zeigt: Die Schweiz ist von diesen Entwicklungen nicht ausgenommen. Sie erlebt den Wandel lediglich etwas langsamer als viele andere Länder.

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