2016 veröffentlichte ein globales Rechercheteam die Panama Papers – über 11,5 Millionen geleakte Dokumente über Briefkastenfirmen und Geldflüsse unter anderem von Politiker:innen. Die Enthüllungen lösten weltweite Proteste aus, wie hier in Pakistan, wo der Oberste Gerichtshof den damaligen Premierminister Nawaz Sharif wegen der Auslandimmobilien seiner Familie absetzte. Das Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) Schätzt, dass durch die Enthüllungen der Panama Papers 1.3 Milliarden Dollar an Steuerhinterziehung zurückgezahlt wurde. (KEYSTONE / EPA / SHAHZAIB AKBER)

Drei Punkte sind uns besonders aufgefallen:

Journalismus rechnet sich: Der Report zeigt, dass jeder investierte Dollar in Journalismus zu mehr als 100 Dollar an Einsparungen für die Öffentlichkeit führen kann, da durch Journalismus Korruption aufgedeckt und reduziert wird und die öffentlichen Dienstleistungen verbessert werden.

Journalismus ist die beste Verteidigung gegen Desinformation: Im Global Risk Report 2026 des World Economic Forum (WEF) wird Desinformation als zweitgrösste Herausforderung für die Welt aufgeführt. Desinformationskampagnen verfolgen meist das Ziel, politische Prozesse zu beeinflussen, oder ein generelles Misstrauen zu fördern, welches Instabilität in Demokratien bringt und sogar Wahlen beeinflussen kann. Unabhängiger Journalismus führt nachweislich zu mehr Resilienz in der Bevölkerung gegen Desinformation und stärkt so das Vertrauen in Demokratie und Institutionen. Experten schätzen, dass 0,1 % des weltweiten BIP – was gerade einmal 15 Tagen der weltweiten Militärausgaben entspricht – ausreichen würden, um gesunde öffentliche Medien und sichere Informationsumgebungen für Bürger auf der ganzen Welt zu finanzieren.

Wenn Journalismus verschwindet, zum Beispiel auf lokaler Ebene, wird es teuer für alle: Vor allem in den USA wurde das Phänomen der «News Deserts» gut erforscht. Dort gibt es bereits Regionen, in denen gar kein Lokaljournalismus mehr existiert. Laut dem Report wurde in Studien gezeigt, dass die Bewohner:innen in solchen Regionen weniger gut informiert sind, die Wahlbeteiligungen sinken und das Vertrauen in demokratische Institutionen. Dazu steigen die Korruption und die Umweltbelastung. Das alles, weil niemand mehr genau hinschaut.

Der Report macht deutlich: Journalismus wirkt oft im Stillen – durch die blosse Tatsache, dass er existiert, verhalten sich Amtsträger und Unternehmen vorsichtiger. Dieser präventive Effekt lässt sich schwer beziffern, ist aber genau deshalb leicht zu unterschätzen, wenn Redaktionen abgebaut werden. Die Zahlen aus diesem Bericht – 100 Dollar Rendite pro investiertem Dollar, 500 Milliarden Dollar Schaden durch Desinformation pro Jahr – sind ein Versuch, diesen unsichtbaren Wert sichtbar zu machen. Die Frage ist also nicht, ob wir uns unabhängigen Journalismus leisten können, sondern ob wir uns leisten können, ihn schleichend verschwinden zu lassen.

Weiterlesen

Alle Artikel

Wie Social Media und KI den Nachrichtenkonsum verändern

Erstmals beziehen Menschen weltweit ihre Nachrichten häufiger über soziale Netzwerke und Videoplattformen als direkt über die Websites von Medienhäusern. Das zeigt der neue Digital News Report des Reuters Institute. Die Schweiz folgt diesem Trend zwar ebenfalls – klassische Medienmarken bleiben hier aber deutlich wichtiger als im internationalen Vergleich. Ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse.

18.06.2026, Andrina Schmid

Die Wahrheit hat ein Deepfake-Problem

KI hat seit Chat-GPT Einzug in unseren Alltag genommen. Mit der KI-Revolution taucht auch ein neuer Begriff vermehrt auf: Deepfakes. KI-generierte Bilder und Videos, die Inhalte verbreiten, welche so nie stattgefunden haben. Eingesetzt werden sie vermehrt auch in politischen Kampagnen. Über Deepfakes und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung und vor allem die Demokratie, ist noch wenig bekannt.

02.06.2026, Andrina Schmid

Wie Jugendliche für Medien gewonnen werden können

Junge Zielgruppen konsumieren Medien anders als ältere Menschen. Was heisst das aber für Verlags- und Medienhäuser? Wie sollen Journalist:innen Formate entwickeln, die „funktionieren“? Das Programm CCYA unserer deutschen Schwesterorganisation hat genau das zum Inhalt. Ein Jahr nach der Lancierung ziehen die Kolleg:innen eine erste Bilanz.

02.06.2026, UseTheNews

Erste Hilfe gegen die Informationsflut

Wir alle kennen den Erste-Hilfe-Kurs. Er ist für den Erwerb des Fahrausweises in der Schweiz obligatorisch. „Digital fahren“ dürfen und können wir aber ohne Ausbildung. Dem wollen wir gegensteuern mit dem „Erste-Hilfe-Kurs für die Nachrichtenkompetenz. Er richtet sich an alle jungen Erwachsenen in der Schweiz an der Schwelle zur politischen Mündigkeit, aber auch an jene ohne Stimm- und Wahlrecht, an Lehrpersonen auf Sek II-Stufe, in Gymnasien und Berufsschulen, sowie an Bildungsverantwortliche, etwa in Lehrbetrieben, und an Eltern. Die Inhalte können aber auch bei Einbürgerungsaktivitäten auf kommunaler und kantonaler Ebene eingesetzt werden.

01.06.2026, Markus Spillmann

KI-Inhalte: 94 Prozent befürworten eine Kennzeichnungspflicht

Eine deutliche Mehrheit von 69 Prozent der Schweizer Bevölkerung findet es schlecht, dass Medieninhalte auf Basis des Nutzungsverhaltens personalisiert werden. Auch KI-Inhalte kommen nicht gut an: Nur ein Viertel ist der Meinung, dass KI-generierte Inhalte Social Media attraktiver gemacht haben, beinahe alle sind für eine Kennzeichnungspflicht und 87 Prozent erwarten durch KI eine Zunahme der Cyberbetrugsfälle. Zudem möchte gut die Hälfte der Befragten gerne weniger Zeit an ihren privaten digitalen Geräten verbringen, bei den Erwachsenen unter 36 Jahren sind es gar zwei Drittel – dies zeigt der zweite AXA Cybersorgenmonitor.

06.05.2026, Medienmitteilung

Nur noch 1% der Welt lebt in «guter» Pressefreiheit

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat am 30. April 2026 die jährliche Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht. Die interaktive Karte, die jeweils mit veröffentlicht wird, färbt sich zunehmend orange und rot und zeigt damit auf: Die Pressefreiheit hat sich im Vergleich zum letzten Jahr weiter verschlechtert. Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in einer Gegend, in der die Lage als gut eingestuft wird. Die Rangliste macht Trends erkennbar, doch für vollständiges Verständnis braucht es ebenfalls einen differenzierteren Blick auf die Messmethode selbst.

04.05.2026, Andrina Schmid

Die Nachrichtenkompetenz-Tagung 2026 in 90 Sekunden

Wir haben die wichtigsten Aussagen und Szenen in 90 Sekunden als Videoformat zusammengestellt.

11.04.2026, UseTheNews