Ob es damals besser war? News-Ticker bei Keystone in Zürich im Jahr 1988. (KEYSTONE/Str)

Das Forschungsteam «Journalistik» um Prof. Dr. Vinzenz Wyss hat im Jahr 2023 am Institut für angewandte Medienwissenschaft der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW eine Befragung von Journalist:innen in der Schweiz durchgeführt. Die repräsentative Studie erfolgte im Rahmen der international vergleichenden Befragung «Worlds of Journalism».

Mangelnde Diversität in den Redaktionen

Sowohl in der wissenschaftlichen Forschung als auch in der journalistischen Praxis werden immer stärker Forderungen nach mehr Diversität beim Personal in den Redaktionen laut. Die Befunde der Studie verdeutlichen diesbezüglich jedoch einen erheblichen Nachholbedarf. Dies betrifft nicht nur die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen, das hohe Alter, die voranschreitende Akademisierung oder die ethnische Herkunft, sondern zeigt sich auch in der Verteilung der politischen Einstellung der Journalist:innen: 76 Prozent der Befragten positionieren sich links der Mitte – und zwar unabhängig davon, ob sie bei privaten oder öffentlichen Medien arbeiten.

Viele erleben Diskreditierung

Die Studie liefert ausserdem Befunde zu den Arbeitsbedingungen der Journalist:innen, zum beruflichen Rollenselbstverständnis und zu wahrgenommenen Einflüssen auf die journalistische Arbeit. Schliesslich wurde erstmals erhoben, wie Journalist:innen Belastungen und Bedrohungen wahrnehmen und welche Sorgen sie plagen.

Nebst einem stressigen Arbeitsalltag sind Journalist:innen mit verschiedenen Bedrohungen konfrontiert. Was berufsbedingte Risiken anbelangt, erleben 73 Prozent der Journalist:innen auf sie zielende erniedrigende oder hasserfüllte Äusserungen und 67 Prozent nehmen öffentliche Diskreditierungen ihrer Arbeit wahr. Ebenfalls verbreitet scheinen andere Drohungen oder Einschüchterungsversuche (37 %) zu sein. Institutionelle Bedrohungen erleben rund ein Fünftel in Form von behördlicher Überwachung (19 %) oder rechtlichen Massnahmen, die aufgrund ihrer Arbeit gegen sie ergriffen werden (18 %).

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