Während der Corona-Pandemie kursierten zahlreiche Vermutungen und Falschinformationen darüber, wie die Pandemie entstanden sein soll. An der Universität Zürich wurde im 2021 eine der eher wahrscheinlicheren Theorien auf den Grund gegangen: der möglichen Übertragung des Virus von Fledermäusen auf den Menschen. (KEYSTONE/Ennio Leanza).

Falsche oder irreführende Informationen haben viele Namen: Fake News, Desinformation, Misinformation. Eine Studie des gfs-Zürich zeigt: 96 % der Deutschschweizer Bevölkerung nehmen eine Zunahme von Fake News wahr, und fast ebenso viele erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Aber woran denken Menschen eigentlich, wenn sie von Fake News sprechen?

Fake News, Desinformation oder Misinformation?

Von den drei Begriffen ist Fake News sicher der bekannteste und zugleich der umstrittenste. Er wird in unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht:

  1. Kommerzieller Clickbait
    Viele der Fake News zum Beispiel rund um die US-Wahlen 2016 hatten rein wirtschaftliche Ziele. Sensationsmeldungen wurden massenhaft verbreitet, um Klicks zu generieren und damit Werbeeinnahmen zu erzielen.
  2. Politische Manipulation
    Der Begriff entwickelte sich schnell zu einem Synonym für absichtlich verbreitete Falschinformationen, die öffentliche Meinungen beeinflussen sollten.
  3. Kampfbegriff gegen Medien
    Unter anderem benutzte Donald Trump Fake News als Schlagwort, um kritische Berichterstattung zu diskreditieren, ähnlich wie der Begriff Lügenpresseim Deutschen.

Es stellt sich also als einigermassen schwierig heraus, eine klare Definition und Verwendung für den Begriff «Fake News» festzulegen. Die Wissenschaft hat sich deshalb dem Begriff «Desinformation» zugewendet. Die Europäische Kommission definiert den Begriff folgendermassen:

«Desinformation ist ein falscher oder irreführender Inhalt, der mit der Absicht verbreitet wird, zu täuschen oder wirtschaftlichen oder politischen Gewinn zu sichern, und der öffentlichen Schaden zufügen kann.»

Zu unterscheiden ist der Begriff von Misinformation oder Fehlinformation: Dabei handelt es sich um versehentlich verbreitete Falschmeldungen durch einen Fehler oder Nichtwissen. Hier zeigt sich auch die Schwierigkeit der Abgrenzung. Um Desinformation klar erkennen und benennen zu können, müssen sowohl die Absicht des Senders als auch die Wirkung auf den Empfänger bekannt sein.

Eine weitere Problematik ist dabei, dass viele Menschen Informationen, die nicht ihrer Meinung entsprechen, als Fake News oder Desinformation bezeichnen. Wie jemand generell zu Medien steht und wie hoch das Vertrauen in den Absender ist, spielt also durchaus auch eine Rolle. Das wiederum macht es schwierig festzustellen, wie oft Menschen in ihrem Alltag tatsächlich falschen Informationen begegnen, die rein faktisch nicht stimmen. Die effektive Verbreitung von Desinformation ist damit schwer festzustellen.

Fake News scheinen in der breiten Bevölkerung nur gering verbreitet zu sein, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung. Die Forschung ergebe teilweise ein ironisches Bild, da Fake News auch oft erst an Popularität gewinnen, wenn seriöse Medien diese in die Berichterstattung aufnehmen, zum Beispiel weil sie die Falschmeldung mit einem Faktencheck widerlegen wollen. Dies macht – in bester Absicht – seriöse Medien zu unfreiwilligen Akteuren bei der Verbreitung von Fake News.

Bekämpfung von Fake News, Desinformation und Misinformation

Die Diskussion um Desinformation schürt Misstrauen gegenüber Medien, Politik und generellen Informationen. Daher ist es umso wichtiger, dass die Bevölkerung über eine hohe Medien- und Nachrichtenkompetenz verfügt. Dabei geht es um weit mehr, als nur Desinformation erkennen zu können. Der Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke teilt Medienkompetenz in vier Bereiche auf: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung.

Wer also eine hohe Medienkompetenz hat, ist eher befähigt, sich eine eigene Meinung zu bilden aus der Berichterstattung von Medien über Politik, Gesellschaft oder Wirtschaft. Gerade in einer Demokratie ist die Fähigkeit, Informationen einschätzen und kontextualisieren zu können, essenziell.

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