Woher stammt das Coronavirus? Fünf Jahre nach Ausbruch der Pandemie glauben 49,4 % der Befragten, es sei eher oder sehr plausibel, dass es als biologische Waffe in Wuhan hergestellt worden sei. Dafür gibt es allerdings keine Belege. Richtig ist, dass unklar ist, ob es sich um einen Laborunfall gehandelt haben könnte. Das Foto zeigt einen genesenen Covid-Patienten beim Verlassen eines Notspitals in Wuhan 2020, der routinemässig nochmals desinfiziert wird. (Keystone / EPA – Shi Zhi)
Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) hat das Jahrbuch Qualität der Medien 2026 veröffentlicht. Die Hauptbefunde lassen aufhorchen: Die Schweizer Öffentlichkeit steht gemäss den Analysen der Forschenden unter doppeltem Druck: Desinformation wird zunehmend als Problem erkannt, journalistische Medien verlieren Reichweite und Einnahmen. Die Forschenden haben dabei neben der Langzeitbeobachtung zwei Vertiefungsstudien durchgeführt: Einmal zur Desinformation und einmal zur Rolle des öffentlich finanzierten Medienangebots der SRG.
Desinformation 56,5 % halten Desinformation für ein eher grosses bis sehr grosses Problem (+7,5 Prozentpunkte (PP) seit 2021), 51,6 % begegnen ihr oft oder sehr oft – vor allem auf Social Media (76,4 %) und Videoportalen (59,8 %). Verschwörungsaussagen finden Resonanz: 49,4 % halten die These vom Coronavirus als Biowaffe aus Wuhan für eher oder sehr plausibel, 36,0 % jene von jüdischen Netzwerken, die die westliche Politik kontrollierten. Resilienter ist, wer Qualitätsjournalismus oder Radio und Fernsehen nutzt. News-Deprivierte, die vor allem Instagram oder TikTok nutzen, sind ähnlich anfällig wie jene, die kaum Nachrichten konsumieren. Bildung und Verifikationskompetenz schützen; rechte Orientierung und Verschwörungsaffinität erhöhen die Anfälligkeit.
SRG SSR Vor der Neukonzessionierung 2029 (Budget rund 17 % tiefer) halten 57,7 % öffentliche Medien für (sehr) wichtig. Erwartet wird ein Vollprogramm: Information (76,5 %), Sport (52,3 %) und Bildung (51,8 %) gelten als (sehr) wichtig. Wichtigster Kanal bleibt das Fernsehen (69,6 %); Play Suisse überzeugt nur 33,5 %. Eine SRG-Präsenz auf Social Media halten 69,9 % der 18- bis 24-Jährigen, aber nur 23,8 % der über 55-Jährigen für wichtig. Bei Onlinetexten trennt nicht die Länge, sondern das Alter. Zur Ausgewogenheit bilden positive Urteile die grösste Gruppe.
Langzeittrends Die Medienqualität bleibt stabil (2025: 6,4 Punkte; 2015: 6,3); die Relevanz steigt, die Vielfalt sinkt. Rund 42 % gelten als news-depriviert, also „unterversorgt“ mit Nachrichten. Das ist nicht gleichzusetzen mit einer ggf. temporären bewussten Nachrichtenvermeidung (news-avoidance), wobei auch hier die Werte steigen. Nur noch 49,4 % sind stark an Nachrichten interessiert (–9,5 PP seit 2016). 42,0 % vertrauen Nachrichtenmedien – deutlich mehr als Social Media (17,1 %) oder KI-Chatbots (16,3 %). Die Werbeeinnahmen der Medien fielen 2025 auf 1,94 Mrd. Franken, Tech-Plattformen erzielten geschätzt 2,08–2,55 Mrd. Nur 19,3 % zahlen für Onlinenews. Rund jeder dritte Pressebeitrag erscheint in mehreren Titeln.
Empfehlungen Die Forschenden des fög empfehlen, als erstes die Resilienz zu stärken, was bedeutet: News-Deprivation verringern, Qualitätsjournalismus sichern, Faktenchecks bündeln, Medienkompetenz in Schulen verankern, Plattformen regulieren, Desinformation beobachten. Und als zweitens einen breiten, digital zugänglichen Service public zu sichern: kein reduziertes Angebot, duale Verbreitungsstrategie, keine pauschale Beschränkung nach Textlänge.
Wir fügen als UseTheNews hinzu, der sowohl von der SRG als auch vom privaten Verlegerverband Schweizer Medien und von Keystone-SDA getragen wird, dass natürlich auch die privaten Medien zur Stärkung der Resilienz der Bevölkerung gegen Desinformation beitragen. Und genau deshalb auch gemeinsam mit dem Service public UseTheNews gegründet haben, um diese Bemühungen zu bündeln, zu koordinieren und zu stärken.