

Die Nachrichtenkompetenz-Tagung 2026 in 90 Sekunden
Wir haben die wichtigsten Aussagen und Szenen in 90 Sekunden als Videoformat zusammengestellt.

«Ich glaube, ich habe das Internet gelöscht». Das ist wohl einer der berühmtesten Sätze, wenn es um die Computernutzung von älteren Leuten geht. Der Satz bringt ein Problem auf den Punkt: Zugang zum Internet zu haben, befähigt einen nicht automatisch, dieses auch zu nutzen und zu verstehen. In der Wissenschaft spricht man auch von der «digitalen Kluft». Der Begriff bezeichnet die Differenz zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien.
Drei Stufen der digitalen Kluft
Die Christoph Merian Stiftung widmet sich in einer Publikation der digitalen Kluft und beleuchtet das Thema mit Fachbeiträgen aus verschiedenen Perspektiven. Die Digitalisierung durchdringt zusehends die Systeme der Gesellschaft: Von politischen Prozessen, über die Verwaltung bis zu den Medien bleibt nichts unberührt. Die digitale Kluft kann nach einem Konzept von dem Wissenschaftler Van Dijk in drei Stufen unterteilt werden:
Weltweit nutzen 68 von 100 Personen das Internet. In der Schweiz liegt diese Quote bei rund 97 %. Am Zugang scheitert es hierzulande also kaum. Auf den Stufen «Nutzung» und «Mehrwert» zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Studien belegen, dass insbesondere marginalisierte Gruppen häufig über weniger digitale Grundkompetenzen verfügen. Das Wissen, um etwa Websites oder digitale Medien gewinnbringend zu nutzen, muss aktiv erlernt werden.
Digitale Demokratie
Grundsätzlich ist es natürlich jeder Person selbst überlassen, in welchem Ausmass digitale Geräte und Medien im Alltag eingebaut werden. Das schreibt Moritz Büchi, Leiter der Professur Digital Media, in seiner neuen Publikation «Digital Media and Social Inequality». Um das frei entscheiden zu können, müssten aber alle in der Bevölkerung denselben Zugang zu dem Wissen über digitale Vorgänge zur Verfügung stehen und da gibt es belegbare Unterschiede.
In einer Demokratie ist entscheidend, dass Bürgerinnen und Bürger sich informieren können – auch online. Elias H. Schäfer schreibt in seinem Artikel für die Merian Stiftung: «Auch in einem Land mit hohem Bildungsniveau wie der Schweiz fehlen vielen Menschen grundlegende Fähigkeiten, um digitale Technologien sicher und effektiv zu nutzen. So haben über 20 Prozent der Bevölkerung Mühe mit grundlegendem Textverständnis und damit auch, mit grundlegenden digitalen Aufgaben zurechtzukommen.» Werden also demokratische Prozesse, wozu auch die Informationsmöglichkeiten gehören, stärker digitalisiert, werden automatisch gewisse Gruppen ausgeschlossen, sofern ihnen die nötigen Kompetenzen fehlen.
Digitale Bildung
Digitale Bildung bedeutet weit mehr als technische Geräte bedienen zu können. Sie umfasst unter anderem auch Nachrichtenkompetenz: Quellen prüfen, Informationen aus verschiedenen Perspektiven einholen, Falschmeldungen erkennen. Diese Fähigkeiten sind unabdingbar in einer direkten Demokratie wie der Schweiz.
Mit dem Schulfach «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 gibt es bereits einen ersten Ansatz, um besonders junge Menschen schon früh auf eine digitale Welt vorzubereiten. Doch digitale Bildung sollte nicht nach der Schulzeit enden, es ist eine gesamtgesellschaftlich relevante Kompetenz. Denn um das Internet zu löschen, braucht es wohl mehr als einen Klick, aber um es zu verstehen genauso.


Wir haben die wichtigsten Aussagen und Szenen in 90 Sekunden als Videoformat zusammengestellt.


Wir alle kennen den Erste-Hilfe-Kurs. Er ist für den Erwerb des Fahrausweises in der Schweiz obligatorisch. „Digital fahren“ dürfen und können wir aber ohne Ausbildung. Dem wollen wir gegensteuern mit dem „Erste-Hilfe-Kurs für die Nachrichtenkompetenz. Er richtet sich an junge Erwachsene an der Schwelle zur politischen Mündigkeit. Und er ist nicht nur kostenlos, sondern auch fakultativ.


«Was hilft bei Erkältung?», «Erster Präsident Amerikas», «Open-Air Gampel 2026 Line-up». So oder ähnlich sah eine typische Google-Suche lange aus. Bis vor Kurzem lieferte die Suchmaschine dazu eine Liste von Links. Jetzt erscheint ganz oben die neue Funktion «Übersicht mit KI». Sie generiert einen kurzen, aus mehreren Quellen zusammengestellten Text, der die Anfrage direkt beantwortet. Damit verändert sich grundlegend, wie wir Antworten erhalten und wie wir Wissen im Netz abrufen.


Immer mehr Menschen in der Schweiz meiden Nachrichten oder konsumieren sie kaum noch. Diese sogenannte News-Deprivation schwächt das Wissen über politische Prozesse und gefährdet die demokratische Teilhabe. Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung (46,4%) zählt zur Gruppe der News-Deprivierten. Das zeigt das Jahrbuch Qualität der Medien 2025. Im Kurzinterview erklärt Linards Udris, stellvertretender Forschungsleiter des Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), die Hintergründe des Trends – und was ihm dennoch Hoffnung macht.


Spätestens seit der Corona-Pandemie ist der Begriff Fake News im Alltag angekommen. Schon zuvor, bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016, wurde er weltweit bekannt. Damals kursierten zahlreiche falsche Meldungen, die angeblich den Wahlausgang beeinflussten. Doch so geläufig der Ausdruck auch ist: Die genaue Bedeutung ist weniger klar definiert, als es scheint.


Im Gegensatz zu Ärzten und Anwältinnen braucht es kein Diplom oder eine offizielle Prüfung, um sich Journalist:in nennen zu können. Das ist legal für jeden, bringt aber einige Probleme und Herausforderungen mit sich.


Zu viel Social Media kann die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährden. Das ist eine Folgerung einer Studie aus Deutschland. Die Forschenden raten zu stärkerer Regulierung – und zu mehr Medienkompetenz-Angeboten.