An der Geschichte des iPhones lässt sich der rasante digitale Wandel gut beobachten: 2007 präsentierte Steve Jobs das erste Gerät, 2025 gehört ein KI-Assistent auf fast jedem Handy längst zum Alltag. (AP Photo/Paul Sakuma)

«Ich glaube, ich habe das Internet gelöscht». Das ist wohl einer der berühmtesten Sätze, wenn es um die Computernutzung von älteren Leuten geht. Der Satz bringt ein Problem auf den Punkt: Zugang zum Internet zu haben, befähigt einen nicht automatisch, dieses auch zu nutzen und zu verstehen. In der Wissenschaft spricht man auch von der «digitalen Kluft». Der Begriff bezeichnet die Differenz zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Drei Stufen der digitalen Kluft

Die Christoph Merian Stiftung widmet sich in einer Publikation der digitalen Kluft und beleuchtet das Thema mit Fachbeiträgen aus verschiedenen Perspektiven. Die Digitalisierung durchdringt zusehends die Systeme der Gesellschaft: Von politischen Prozessen, über die Verwaltung bis zu den Medien bleibt nichts unberührt. Die digitale Kluft kann nach einem Konzept von dem Wissenschaftler Van Dijk in drei Stufen unterteilt werden:

  1. Zugang: Verfügbarkeit von Geräten und Internetanschlüssen
  2. Nutzung: Fähigkeit, digitale Technologien kompetent einzusetzen
  3. Mehrwert: Fähigkeit, digitale Angebote sinnvoll für sich zu nutzen

Weltweit nutzen 68 von 100 Personen das Internet. In der Schweiz liegt diese Quote bei rund 97 %. Am Zugang scheitert es hierzulande also kaum. Auf den Stufen «Nutzung» und «Mehrwert» zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Studien belegen, dass insbesondere marginalisierte Gruppen häufig über weniger digitale Grundkompetenzen verfügen. Das Wissen, um etwa Websites oder digitale Medien gewinnbringend zu nutzen, muss aktiv erlernt werden.

Digitale Demokratie

Grundsätzlich ist es natürlich jeder Person selbst überlassen, in welchem Ausmass digitale Geräte und Medien im Alltag eingebaut werden. Das schreibt Moritz Büchi, Leiter der Professur Digital Media, in seiner neuen Publikation «Digital Media and Social Inequality». Um das frei entscheiden zu können, müssten aber alle in der Bevölkerung denselben Zugang zu dem Wissen über digitale Vorgänge zur Verfügung stehen und da gibt es belegbare Unterschiede.

In einer Demokratie ist entscheidend, dass Bürgerinnen und Bürger sich informieren können – auch online. Elias H. Schäfer schreibt in seinem Artikel für die Merian Stiftung: «Auch in einem Land mit hohem Bildungsniveau wie der Schweiz fehlen vielen Menschen grundlegende Fähigkeiten, um digitale Technologien sicher und effektiv zu nutzen. So haben über 20 Prozent der Bevölkerung Mühe mit grundlegendem Textverständnis und damit auch, mit grundlegenden digitalen Aufgaben zurechtzukommen.» Werden also demokratische Prozesse, wozu auch die Informationsmöglichkeiten gehören, stärker digitalisiert, werden automatisch gewisse Gruppen ausgeschlossen, sofern ihnen die nötigen Kompetenzen fehlen.

Digitale Bildung

Digitale Bildung bedeutet weit mehr als technische Geräte bedienen zu können. Sie umfasst unter anderem auch Nachrichtenkompetenz: Quellen prüfen, Informationen aus verschiedenen Perspektiven einholen, Falschmeldungen erkennen. Diese Fähigkeiten sind unabdingbar in einer direkten Demokratie wie der Schweiz.

Mit dem Schulfach «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 gibt es bereits einen ersten Ansatz, um besonders junge Menschen schon früh auf eine digitale Welt vorzubereiten. Doch digitale Bildung sollte nicht nach der Schulzeit enden, es ist eine gesamtgesellschaftlich relevante Kompetenz. Denn um das Internet zu löschen, braucht es wohl mehr als einen Klick, aber um es zu verstehen genauso.

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